Blick über Lorch am Rhein
Abb. 1: Lorch am Rhein gehört zum Rheingau, der hier Taunus ist. ©Alexander Stahr
Rheingau bei Hattenheim
Schematischer geologischer Schnitt durch den Rheingau bei Hattenheim vom Rhein (ganz rechts) zur markantesten Erhebung des Rheingaus, der Hallgarter Zange (580,5 m). Der Rheingau liegt im Oberrheingraben und im Taunus bzw. im Rheinischen Schiefergebirge. ©Alexander Stahr

Stephanshausen ist ein Stadtteil der Stadt Geisenheim im Rheingau-Taunus-Kreis. Der Geisenheimer Stadtteil liegt im Rheingau und im Taunus, während sich die Kernstadt Geisenheim im Oberrheingraben befindet. Ganz ähnlich ergeht es Assmannshausen, dem Rüdesheimer Stadtteil. Auch die Rotweingemeinde Assmannshausen liegt im Rheingau und im Taunus. Wenn man die naturräumliche Gliederung Hessens (Die Naturräume Hessens und ihre Haupteinheiten) beachtet, liegt Assmannshausen sogar im Rheingaugebirge und nicht mehr im Taunus. Dazu heißt es bei Wikipedia: „Das Rheingaugebirge ist der westlichste Abschnitt des Hohen Taunus und erstreckt sich auf einer Länge von 20 Kilometern in Südwest-Nordost-Richtung zwischen dem Rheintal bei Lorch und Assmannshausen im Westen und dem Walluftal bei Schlangenbad im Osten. Höchste Erhebung ist die 619 Meter hohe Kalte Herberge.“ Die Aussage „der westlichste Abschnitt des Hohen Taunus“ biegt die Sache wieder etwas hin. Denn die Kalte Herberge ist wie die Hohe Wurzel, der Große Feldberg und der Altkönig Taunuskamm. Der Rheingau ist somit eine kulturhistorisch definierte Kulturlandschaft zwischen der ehemaligen Grenzbefestigung „Gebück“ und dem Rhein. Manche Definitionen gehen noch weiter und lassen den Rheingau bei Flörsheim am Main beginnen, wo der Ort doch eigentlich im Maingau liegt. Demzufolge läge auch die hessische Landeshauptstadt Wiesbaden im Rheingau.

Die Geologie schafft Ordnung

Abgedeckte Geologische Karte des südlichen Taunus
Abb. 2: Abgedeckte Geologische Karte des südlichen Taunus ohne quartäre Deckschichten. ©Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie.

Geologisch-tektonisch befindet sich ein Teil des Rheingaus – betrachtet man das Gebiet zwischen Wiesbaden und Eltville am Rhein – sowohl im Vordertaunus (Vordertaunus-Einheit mit metamorphen Vulkaniten) als auch im Oberrheingraben (Senkungsgebiet Mainzer Becken) mit paläogenen, neogenen und quartären Sedimenten (Tone, Mergel, Sande, Kiese, Löss = weißer Bereich auf der abgedeckten geologischen Karte des südlichen Taunus südlich, südöstlich und südwestlich von Wiesbaden, Abb. 2). Zwischen Eltville am Rhein und Rüdesheim befindet sich der Rheingau im Taunuskamm (Taunuskamm-Einheit) und im Oberrheingraben. Dort erstreckt sich der Oberrheingraben vom rechten Rheinufer etwa zwei Kilometer in den Rheingau hinein. Der dritte Teil des Rheingaus von Assmannshausen bis Lorch am Rhein liegt geologisch-tektonisch ausschließlich im Taunus und nicht in einem Rheingaugebirge. Assmannshausen in der Taunuskamm-Einheit, das Stadtgebiet von Lorch am Rhein in der Taunuskamm-Einheit und in der Hintertaunus-Einheit.

Auch die Böden

Das der Rheingau sowohl Taunus als auch Oberrheingraben ist, spiegelt sich ebenfalls in den Böden und deren Verteilung wieder. Im Bereich des Oberrheingrabens entwickelten sich in den tiefgründigen quartären Sedimenten (Löss) nährstoffreiche Parabraunerden und Rigosole (Weinbergsböden). In kalkhaltigen Mergeln und in Kalksteinen des Neogens u. a. Pararendzinen und Rendzinen. Im Übergang zum Taunus werden die Böden steinreicher und flachgründiger. Im Bereich des Oberen Mittelrheintals zwischen Assmannshausen und Lorch am Rhein domminieren steinreiche Braunerden und Rigosole. Durch den vorhandenen Lössanteil (Lösslehm) sind die Rheingauer Taunusböden (Braunerden, Rigosole) immer noch vergleichsweise gute Standorte. Nur in felsigen Arealen des Oberen Mittelrheintals und im unmittelbaren Taunuskammbereich treten Felshumusböden und Rohböden auf, die nicht bewirtschaftet werden können.

Wenn also – wie häufig zu finden – in der Literatur von „Rheingau und Taunus“ die Rede ist, führt dies zu Missverständnissen beim Leser.

Literatur

Stahr, A., & Bender, B. (2007): Der Taunus. Eine Zeitreise. Entstehung und Entwicklung eines Mittelgebirges.- 253 Abb., 253 S.; Stuttgart (Schweizerbart).