Indisches Springkraut
Indisches Springkraut. ©Wolfgang Ehmke

In unserer heimischen Pflanzenwelt tauchen immer mehr gebietsfremde Arten (sogenannte Neophyten) auf. Sie wurden einerseits bewusst vom Menschen eingebracht. Beispielsweise viele exotische Pflanzen in Blühflächen, Bienenfutterpflanzen wie der Riesen-Bärenklau oder Kulturpflanzen wie die Lupine, die sich selber aussamen. Andererseits haben viele nichtheimische Pflanzen den Weg zu uns von allein gefunden (z. B. über die Wasserwege oder als Ferntransport über die Luft). Als dritte Einwanderungsart ist die unbewusste Einbringung durch den Menschen zu nennen. So wurden viele Pflanzen etwa mit australischer Schafwolle oder an den Reifen US-amerikanischer Lastwagen eingeschleppt.

Einige dieser Neophyten bedrohen andere Pflanzen und Lebensräume (Biotope) durch Verdrängung oder durch Veränderung des Erbgutes heimischer Pflanzen bei der Bestäubung (Bastardisierung). Auch im Taunus gibt es viele offensichtliche Beispiele für sich ausbreitende Neophyten („invasive Neophyten“), welche die ursprünglichen Biotope stark verändern können, indem sie die einheimischen Pflanzen überwuchern. Dies trifft vor allem auf die drei Arten Indisches Springkraut, Riesen-Bärenklau und die Gruppe der Riesen-Knöteriche zu, die nachfolgend näher betrachtet werden sollen. Die ungehemmte Ausbreitung der invasiven Neophyten stellt inzwischen bundesweit und global gesehen eine der größten Gefährdungen für die biologische Vielfalt dar und spielt eine zunehmende Rolle in der Naturschutzdiskussion.

Das Indische Springkraut (Impatiens glandulifera) hat seinen Namen von den Früchten, die bei Berührung explosionsartig aufspringen und ihre Samen meterweit in die Umgebung schleudern. Seine Herkunft ist Indien, China und der westliche Himalaya. Es kam 1839 als Gartenpflanze nach England und wurde ab 1854 als Bienentrachtpflanze nach Deutschland gebracht. Das Indische Springkraut liebt nährstoffreiche, feuchte Standorte und hat sich deshalb in vielen Auenwäldern und an Bachufern im Taunus ausgebreitet. Flächendeckend tritt es etwa mancherorts im Aartal und im Weiltal auf. Da die Pflanze in kurzer Zeit ganze Täler besiedeln kann, ist eine frühzeitige Bekämpfung erforderlich. Diese ist besonders am Oberlauf von Gewässern nötig, da die Samen mit dem Hochwasser bachabwärts geschwemmt werden. Bei kleinen Beständen ist noch das Ausreißen mit der Hand vor der Blüte möglich. Bei größeren Beständen hat sich bodennahes Abmähen vor der Blüte (ca. Mitte Juli) über zwei Jahre hinweg als erfolgversprechend erwiesen. Auch mit Pferden und Koppelschafbeweidung wurden mancherorts gute Ergebnisse erzielt, weil diese Tiere das Springkraut fressen.

Riesen-Bärenklau
Massenbestand des Riesen-Bärenklaus. ©Beate Alberternst

Der Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum) stammt aus dem Kaukasus und wurde Ende des 19. Jahrhunderts als Zierpflanze nach Mitteleuropa eingeführt. Später erfolgte die Ausbringung in die freie Landschaft als Bienentrachtpflanze, was die Ausbreitung erheblich förderte. Etwa seit 1970 wurden zahlreiche neue Fundorte bekannt. Allerdings scheint die Art in den letzten Jahren im Taunus zurückgegangen zu sein – eventuell bedingt durch mehrere Bekämpfungsmaßnahmen, etwa in Schlangenbad.

Aus verschiedenen Gründen ist der Riesen-Bärenklau eine der bekanntesten Problempflanzen. Seine großen Blätter und sein hoher Wuchs mit vielen Blütendolden und entsprechender Samenproduktion führen oft zum Aufbau dichter Bestände, welche die Vegetationsstruktur stark verändern. Nicht selten werden dadurch auch gefährdete heimische Wiesenarten unterdrückt. Diese Veränderungen wirken sich indirekt auf die Tierwelt aus (z. B. auf Schmetterlinge, Spinnen, Heuschrecken). Ein gänzlich anderer Gefährdungsaspekt ist die Schädigung der menschlichen Haut bei Berührung durch seine phototoxische Wirkung. Insbesondere bei Sonnenschein kann der Kontakt mit den Blättern des Riesen-Bärenklaus zu Hautreizungen bis hin zur Blasenbildung erfolgen.

Gartenbesitzer und Imker sollten darauf verzichten, diese Art im Garten oder in der freien Landschaft anzupflanzen. Die Weiterverbreitung durch Erde, die Samen der Art enthält, sollte unterbleiben. Die aktive Bekämpfung muss vor der Blütenbildung erfolgen. Einzelpflanzen und kleine Bestände können im Frühjahr (bis Ende April) oder im Herbst durch Abstechen der Wurzel ca. 15 cm unter der Erdoberfläche abgetötet werden. Größere Bestände können im Frühjahr durch Fräsen oder Pflügen und dem Herausziehen der Wurzelknollen bekämpft werden. Mehrfache Mahd zu Beginn oder während der Blüte ist ebenfalls möglich. Dabei müssen bei jeder Bekämpfungsart Nachkontrollen durchgeführt und nachwachsende Blütentriebe entfernt werden.

Als weitere problematische Neophyten treten in unserer Region die drei großen Knötericharten auf: Der Japanische Knöterich (Fallopia japonica), der Sachalin-Knöterich (Fallopia sachalinensis) und ihre Hybride, der Bastard-Knöterich (Fallopia x bohemica). Im Taunus ist die Hybride häufiger als die Elternarten. Weil sie sich ziemlich gleich verhalten, sollen alle drei Arten hier gemeinsam behandelt werden. Ihre Herkunft ist – wie die Namen schon sagen – Ostasien (Japan, Korea, Nordchina, Sachalin, Kurilen). Der Japanische Knöterich wurde bereits 1823 als Zierpflanze in die Niederlande eingeführt. Er wurde auch als Äsungspflanze und für Viehfutter ausgebracht. Seine Vermehrung geschieht durch unterirdische Ausläufer (Rhizome), die auch in Stücke geschnitten wieder auswachsen. Deswegen verbreiten sich die Knöteriche meist durch den unbeabsichtigten Transport von Rhizomteilen (bei Bodenbewegungen, durch Gartenabfälle, bei Hochwasser).

Sachalin-Knöterich
Sachalin-Knöterich. ©Wolfgang Ehmke

Die Standortkulisse der Knöteriche ist recht ausgedehnt. Sie lieben frische bis nasse, saure und nährstoffreiche Böden; daher auch ihr bevorzugtes Vorkommen an Bachufern, an Sickerquellen, auf Brachflächen, Schuttplätzen, Böschungen und Bahnanlagen. Unter den sich schnell ausbreitenden Dominanzbeständen mit bis zu vier Metern Wuchshöhe können sich keine anderen Pflanzen halten.

Japan-Knöterich
Bekämpfung des Japan-Knöterichs in Taunusstein. ©Wolfgang Ehmke

Um die weitere Vermehrung zu vermindern, sollten – auch in Gärten, aber vor allem in der freien Landschaft – keine weiteren Anpflanzungen erfolgen. Bei Erdbewegungen mit Baumaschinen muss darauf geachtet werden, dass im Boden keine Wurzel- oder Stängelteile enthalten sind. Gartenabfälle mit Knöterichteilen sollten weder im Wald noch sonst wo entsorgt werden. Die aktive Bekämpfung der Knötericharten ist wegen ihrer hohen Regenerationskraft äußerst aufwändig. Es ist vorher genau zu prüfen, ob sich der Aufwand lohnt und mit welcher Methode das Ziel am besten erreicht wird. Bei kleineren Beständen kann ein regelmäßiges Ausreißen der Triebe über mehrere Jahre genügen. Größere Bestände müssen mehrfach pro Jahr gemäht werden, und das über mehrere Jahre hinweg. Eine gute Methode ist die regelmäßige Beweidung mit Schafen, Ziegen, Pferden oder Kühen, da das Vieh die grünen Triebe gerne frisst (der Knöterich gibt auch für den Menschen gute Gerichte ab!). Bei allen Methoden muss mit mehrjährigen Nacharbeiten gerechnet werden.

Die genannten drei Artengruppen breiten sich in der hiesigen Landschaft derzeit besonders stark aus. Ein lokal vorkommender Neophyt an Bächen im Feldbergmassiv ist der Amerikanische Stinktierkohl (Lysichiton americanus). Er kann sich aber offensichtlich nicht weiter ausbreiten, da er seit Jahren von einer Arbeitsgemeinschaft in Schmitten erfolgreich bekämpft wird. Daneben gibt es noch zahlreiche weitere Neophyten „in Lauerstellung“, die beobachtet werden müssen, weil sie sich in anderen Landschaften bereits invasiv verhalten (Klimawandel). Dazu zählen z. B. die amerikanischen Goldrutenarten die Lupine, die Mahonie, der Kirschlorbeer, die Spätblühende Traubenkirsche und einige mehr. Was zurzeit noch fehlt, ist eine Koordination der Beobachtung, Bekämpfung und Kontrolle. Es gibt zwar einige Bekämpfungsinitiativen auf kommunaler Ebene, aber die Neophyten machen an der Gemeindegrenze nicht halt. So hat z. B. der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland), Ortsverband Taunusstein zusammen mit der Lokalen Agenda Taunusstein den Japan-Knöterich und das Indische Springkraut schon erfolgreich dezimiert. Aber deren weiter sich ausbreitenden Bestände – beispielsweise im Aartal unterhalb von Taunusstein – zeigen, wie wichtig eine gelenkte Bekämpfung wäre. Jede Untere Naturschutzbehörde im Taunus sollte ein Konzept zur Eindämmung der Neophyten entwickeln.