Von Wolfgang Ehmke, Taunusstein

Ambosswolke
Ambosswolke über der Hohen Wurzel nördlich von Wiesbaden vor einem Gewitter. ©Wolfgang. Ehmke

Der Taunus ist ein relativ niedriges Mittelgebirge, das zudem von sehr warmen und trockenen Tieflagen umgeben ist. Sein Makroklima unterscheidet sich deshalb von dem anderer Mittelgebirge. Hinzu kommen die Streichrichtung des Gebirgskammes von Südwest nach Nordost, also in der Hauptwindrichtung, und die Lage im Wind- und Regenschatten des Hunsrücks. Dadurch sind die Klimaverhältnisse im Taunus – insbesondere in seinem westlichen Teil – wärmer und trockener als in vergleichbaren Gebirgen. Sehr deutlich wird dies im Hintertaunus, wo auf großen Flächen die Ackernutzung vorherrscht, während in gleicher Höhenlage in anderen Gebieten (z.B. im Westerwald) fast nur Grünland zu finden ist.

Ein weiteres Charakteristikum des Taunus ist seine Übergangslage zwischen den ozeanisch geprägten Landschaften Westdeutschlands (u.a. Eifel, Hunsrück) und den kontinentaleren Gebieten im Osten und Süden. Dabei weist der Taunus im Gegensatz zu den ihn umgebenden Landschaften deutlich ozeanische Züge auf, die sich im Zuge des laufenden Klimawandels noch verstärken werden  (Ehmke 2001). Von Bedeutung ist hier das Verhältnis von Sommer- zu Winterniederschlägen – einem Maß für die “hygrische Kontinentalität”. Es beträgt auf dem Kleinen Feldberg 1,14 (Sommer 276 mm; Winter 242 mm). Zum Vergleich: Geisenheim am Rhein hat den Faktor 1,41 (Sommer 169 mm; Winter 120 mm). Bei einem Faktor unter 1 spricht man von ozeanischen Verhältnissen. Auch die “thermische Kontinentalität”, gemessen an der Differenz der mehrjährigen Mittelwerte des wärmsten zum kältesten Monat, zeigt diese ozeanische Tendenz. Die Differenz betrug in den letzten Jahrzehnten  in Geisenheim/Rh. deutlich über 18°, auf dem Kleinen Feldberg aber unter 17°. Das bedeutet, dass die Temperaturen im Taunus auf niedrigerem Niveau ausgeglichener sind als in den Tieflagen.

Die Wärmeverhältnisse werden durch die Lufttemperaturen wiedergegeben. Die Jahresmittelwerte liegen zwischen ca. 9° C im planaren Bereich (Oberursel 9,6°) und 5,6° auf dem Gipfel des Kleinen Feldbergs im Taunus. Der Juli als wärmster Monat erreichte bisher auf dem Kleinen Feldberg im Schnitt nur 13,8°, während in den tieferen Lagen des Taunus bis ca. 18,5° vorkommen. Der Januar wies im langjährigen Mittel bisher durchweg Werte unter Null Grad auf (Kleiner Feldberg -2,5°, Taunusstein -0,2°).

Auf die relative Trockenheit des Taunus wurde bereits hingewiesen. Die Niederschläge bewegen sich langjährig zwischen 1.000 mm im Feldberggebiet und ca. 650 mm in den tieferen Lagen. Dies ist deutlich weniger als in vergleichbaren Gebirgen wie dem Hunsrück oder dem Westerwald, der nicht einmal die Höhe des Taunus erreicht. Im Gegensatz zu den kontinental getönten Tieflagen mit einem ausgeprägten Sommermaximum liegt die Summe der Winterniederschläge im Hohen Taunus nur knapp unter den Sommerniederschlägen. Dabei ist der Anteil der festen Niederschläge (insbesondere Schnee) relativ hoch. Die bisherige Schneesicherheit (d.h. längere Schneedecke mit über 10 cm Höhe) hat zur Einrichtung einiger Wintersportanlagen (Skilifte am Grossen Feldberg, Skiloipen) geführt.

Talnebel
Talnebel in der Oberaarmulde bei Seitzenhahn. ©Wolfgang Ehmke

Ein wichtiger Faktor im Gebirge ist die Nebelhäufigkeit. Die Hochlagen über 400 m befinden sich in der Wolkennebelzone, die bei Wetterlagen mit tief ziehenden Wolken in Nebel eingehüllt ist. Die unteren Teile des Taunus liegen in der nebelarmen Hangzone. In den größeren Becken und Tälern (z.B. Oberaarmulde, Usinger Becken, Idsteiner Senke), aber auch in kleinen Bachtälchen sammelt sich in Strahlungsnächten die Kaltluft und führt zu Talnebeln. Die häufigen Wolkennebel der Hochlagen spielen eine bedeutende Rolle bei der Wasserversorgung der Pflanzen, insbesondere der Epiphyten. Allerdings mindern sie die Sonnenscheindauer in ihrem Gesamtbetrag, wodurch diese im Taunus etwa 200 Stunden niedriger liegt als in den Tieflagen (Gipfel ca. 1.400 Stunden/Jahr; Rhein-Main-Ebene ca. 1.600 Stunden/Jahr). Auch die relative Luftfeuchtigkeit ist in den Hochlagen wesentlich höher als im planaren Bereich.

Zu erwähnen sind außerdem Föhneffekte, die vor allem an der Südostflanke des Taunus wegen der dortigen hohen Reliefenergie auftreten. Oft ist zu beobachten, dass sich während einer Tiefdrucklage bei Nordwest- bis Nordwind im Bereich des Vortaunus Wolkenaufhellungen und Sonnenschein bei erhöhten Temperaturen einstellen. Ähnliches kann auch in umgekehrter Richtung vorkommen, dann allerdings nur an einigen Bergsatteln (z.B. Eiserne Hand bei Taunusstein; bei Niedernhausen) und in verminderter Intensität. Die winterlichen Inversionswetterlagen haben zur Folge, dass sich im Oberrheingraben oft tagelang zäher, kalter Nebel hält, während die Hochlagen des Taunus im Sonnenschein liegen. Da dieses Phänomen aber nur zeitweise auftritt, werden dadurch die obigen Werte der Sonnenscheindauer nicht entscheidend verändert.

Die meisten angeführten Klimawerte sind heute überholt, denn sie galten für die Normalperiode 1961 – 1990 oder noch frühere Zeiträume. Inzwischen ist der einsetzende Klimawandel auch im Taunus überall spürbar und verändert die Werte (Ehmke 2001). Trotz aller Sonntagsreden steigen CO²-Ausstoss und Stickstoffniederschlag weiter an, die Temperaturen nehmen zu und führen zu vermehrten Wetterextremen wie Stürme, Starkregen, Überschwemmungen – aber auch längeren Trockenperioden, wie sie im Taunus seit einigen Jahren vor allem im Frühjahr zu beobachten sind. Solche “Supersommer” wie 2003 und 2015 werden sich wiederholen – Temperaturen über 40°, Tropennächte über 20°, wenig Schnee im Winter. Der Klimawandel wird die Pflanzen- und Tierwelt, aber auch das Verhalten der Taunusbewohner deutlich verändern.

Literatur

Ehmke, W. (2001): Ist der Klimawandel auch in Wiesbaden und im Taunus feststellbar? In: Jahrb. Nassauischer Ver. Naturk., 122, 43-57; Wiesbaden.