Glashütten, Hochtaunuskreis

Die konservierte Glashütte bei Glashütten
Die konservierte Glashütte bei Glashütten an der Emsbachschlucht. ©Rainer Meschkat
Ausgrabungsarbeiten
Ausgrabungsarbeiten bei den Glashütten. ©Alexander Stahr

Glasrecycling ist keine Idee des 20. Jahrhunderts. Im Wald um die Ortschaft Glashütten im Taunus finden sich mehr als 500 Jahre alte Glasscherben. Darunter auch Fensterglas, das dort nicht hergestellt wurde. Die Leute haben schon im ausgehenden Mittelalter ihr Altglas gesammelt und hier wieder für neues Glas eingeschmolzen. Das war mittelalterliches Recycling. Bislang haben Wissenschaftler und Hobbyforscher mehrere alte Schmelzöfen von Glashütten aus der Zeit von 1450 bis 1480 freigelegt. Auch damals lagen die Glashütten im Wald. Der Grund: Vorraussetzung für Glasherstellung war Holz. Das Feuer für die Schmelzöfen musste 1.300 Grad Celsius erreichen, damit der Quarzsand, als Hauptbestandteil der Glasschmelze, flüssig wurde. Man produzierte etwa fünf Jahre lang an einem Standort Glas, danach stand kein Holz mehr zur Verfügung. Die Öfen wurden zerschlagen und mit Erde abgedeckt. Das würde man heute „Rekultivierung“ nennen.

Führung
Führung zu den alten Glasöfen am Emsbach. ©Rainer Meschkat

Umweltschutz war also schon im Mittelalter angesagt. Jedoch nicht ganz ohne Hintergedanken. Denn neben dem Wald mit seinem Holz war die Nähe von Handelsstraßen und größeren Städten ganz wichtig für die Glashütten. Das Glas musste ja abtransportiert und verkauft werden. Diese Handelsstraßen gab es bei Glashütten. Und ganz in der Nähe lag und liegt immer noch die Großstadt Frankfurt am Main. Daher wollten die Glashersteller den Standort nicht weit weg verlegen. Da der Wald um Glashütten jedoch eines Tages aufgebraucht worden wäre, riss man die alten Öfen ab, damit neuer Wald darauf wachsen konnte.

Glashütten
Lage der alten Glashütten. ©Gemeinfrei, openstreetmap.de

Im Wald um Glashütten wurden rote, grüne und blaue Gläser hergestellt. Seine Färbung erhielt das Glas durch Zugabe von verschiedenen Metallen wie Kupfer und Kobalt, das beispielsweise blau färbte. Das Erdreich um die ehemaligen Öfen ist von der enormen Hitze dunkelrot verfärbt. Der Fachmann sagt dazu der Boden ist verziegelt. Auch die steinerne Auflagefläche der 60 bis 70 Kilogramm schweren Glashäfen, so nennt man die Kübel, in denen der Quarzsand einst erhitzt wurde, ist verziegelt. Das Gestein sieht an diesen Stellen heute eher aus wie erstarrter Asphalt.

Seit 2006 gibt es im Hessenpark in der Stallscheune „Jäger“, einer ehemaligen Hofanlage aus Neu-Anspach, die Dauerausstellung „Waldglashütten im Taunus“. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit zwischen dem Freilichtmuseum Hessenpark, der Hessischen Landesarchäologie und dem Kulturkreis Glashütten e.V. Besucher finden in der Ausstellung ausgewählte archäologische Funde der Glashüttenstandorte im Taunus. Zudem das Modell einer überdachten Waldglashütte, Rekonstruktionen von Hohlgläsern und den Nachbau eines Glasofens. Erlebenswert ist auch der Waldglasweg.

Weitere Auskünfte: Historie-Arbeitskreis-Glashütten, Ingrid Berg, Nachtigallenweg 3, 61479 Glashütten, Tel.: +49 (0)6174-62389
Anreise mit dem ÖPNV: Haltestelle Glashütten Dornsweg, Buslinien 60, 81, 83, 223, AST 81, 83, ohne Fußweg
Geodaten: 50.222205, 8.406998

Literatur

Berg, I. (2012): Waldglashütten im Taunus, Kulturelle Entdeckungen.- Frankfurt/Main-Taunus, Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, S. 120.
Berg, I. (2014): Der Waldglasweg – ein neues Wanderziel,- In: Der Glasfreund, Heft 51, S. 36; Gifhorn.
Berg, I. & Steppuhn, P. (2011): Glas aus dem Taunus.- S. 8-27; Bad Homburg v.d.H.