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Reparatur
Die Entscheidung, ob und wie repariert werden soll, steht am Anfang jeder denkmalpflegerischen Maßnahme. ©Alexander Stahr

Am 19. Oktober 2018 fand das Fünfte Hessische Denkmalgespräch im Freilichtmuseum Hessenpark statt. Im Fokus standen die Endlichkeit historischer Baustoffe und auch das Aussterben alter Handwerksberufe. Die Teilnehmer beschäftigten sich außerdem mit der Frage wie man altes Wissen bewahren und sparsam mit vorhandenem Material umgehen kann. Denkmalpfleger, Denkmaleigentümer, Handwerker und Architekten stellten in kurzen Impulsvorträgen beispielhafte Maßnahmen vor.

Die Entscheidung, ob und wie repariert werden soll, steht am Anfang jeder denkmalpflegerischen Maßnahme. Im Unterschied zur Sanierung oder Instandsetzung bezeichnet das Reparieren das auf das Notwendigste Ergänzen oder Austauschen von beschädigten Bauteilen. In der heutigen Zeit ist die Fähigkeit zur materialschonenden und örtlich begrenzten Reparatur nicht mehr selbstverständlich, da die Techniken zur Bearbeitung, Verwertung, Verwendung und Pflege des Materials zunehmend in Vergessenheit geraten.

„Es ist immer ein spannendes Zusammenarbeiten. Zur Frage der Reparatur und der Endlichkeit des Materials fließt immer sehr viel Know-How der Teilnehmer und der Mitorganisatoren ein“, betonte Eberhard Feußner von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz zu Beginn der Veranstaltung.

In seinem Einführungsvortrag zum Thema „Substanzschonende Werterhaltung“ verdeutlichte Heinz Wionski vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen: „Wenn man von substanzschonender Werterhaltung spricht, geht es darum, dass ein bedachter Umgang mit dem überkommenden materiellen Bestand eines Denkmals sowohl dessen ideellen Wert, als auch dessen Zweck am besten gewährleistet.“ Um das zu ermöglichen, stehe dahinter die Vorstellung einer kontinuierlichen Pflege von baulichen Maßnahmen, die möglichst immer nur in einem begrenzten Umfang stattfinden sollen. Des Weiteren sei zu beobachten, dass die denkmalpflegerische Praxis von einer größeren Diversität gekennzeichnet ist, als das noch vor 30 Jahren der Fall war. „Vom Schutz der ererbten Kunstdenkmäler zum Umgang mit dem gesamten Gebäudebestehens. So charakterisiere ich die Wandlung des Denkmalschutzes (…)“, zitierte Herr Wionski den Schweizer Soziologen und Nationalökonom Lucius Burckhardt am Ende seines Vortrags.

Gerwin Stein, Leiter der Beratungsstelle für Handwerk und Denkmalpflege der Probstei Johannesberg, beschäftigte sich mit dem Thema Gefährdung und Verlust alter Handwerkstechniken. „Technologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen haben schon immer dazu geführt, dass handwerkliche Techniken zu bestimmten Zeiten nicht mehr nachgefragt werden. Das heißt, dass sie auch nicht mehr von Generation zu Generation weitergetragen werden und nicht mehr praktiziert werden“, fasste Stein die derzeitige Entwicklung zusammen. Hierin bestehe auch die Gefahr, dass ganze Berufe verloren gingen und nicht mehr praktiziert würden. Erfahrungen in den letzten Jahren zeigten aber, dass dieser Rückgang an Nachfrage zu bestimmten handwerklichen Techniken nur temporär sei und sich durchaus wieder die Möglichkeit ergebe, dass sich eine Nachfrage nach einem Zeitraum von einigen Jahren erneut einstelle. Das sich Aneignen von traditionellen Handwerkstechniken sei manchmal sehr schwierig, mit sehr hohem Aufwand und auch mit Rückschlägen verbunden, insbesondere dann, wenn kaum Aufzeichnungen über diese Handwerkstechniken bestehen. „Seit geraumer Zeit erproben wir im Umfeld der Probstei Johannesberg die Dokumentation solcher Techniken (…) Zielstellung ist der Aufbau eines “Archivs des praktischen Wissens“ auf das bei der Vermittlung von seltenen Handwerkstechniken zurückgegriffen werden kann.“

Bei einem Rundgang durch das Freilichtmuseum Hessenpark konnten die in der Tagung behandelten Aspekte an konkreten Objekten vertieft und grundlegende Informationen zum denkmalgerechten Umgang mit historischen Materialien vermittelt werden.

Veranstaltet werden die Denkmalgespräche von Vertretern der Propstei Johannesberg in Fulda, der DenkmalAkademie der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen und des Freilichtmuseums Hessenpark. Die Veranstaltung richtete sich an alle Interessierten aus dem Bereich der Denkmalpflege und der Altbausanierung.

Pressekontakt Freilichtmuseum Hessenpark: Pia Preuß, Freilichtmuseum Hessenpark, Laubweg 5, 61267 Neu-Anspach, Tel.: +49 (0)6081-588-124, E-Mail: pia.preuss@hessenpark.de.

Quelle: Hessenpark