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Streuobstwiese
Streuobstwiese bei Niedernhausen-Oberjosbach. ©Alexander Stahr

Streuobstwiesen mit Apfel- oder Birnbäumen sind charakteristische Elemente der Kulturlandschaft Taunus. Fragen rund um das Thema Streuobstwiese beantwortete Wulf Schneider aus Niedernhausen-Oberjosbach. Er ist 2. Vorsitzender des Vereins Streuobstroute im Nassauer Land e. V. Ziele des Vereins sind die Einrichtung und der weitere Ausbau einer Rad- und Wanderroute im Nassauer Land. Dabei werden Informationspunkte wie Thementafeln zur Kultur des landschaftstypischen Streuobstbestandes im Taunus oder Sortengärten an der Route angelegt. Die Zusammenarbeit zwischen Naturschutz, Landwirten, Keltereien und Gastronomiebetrieben, die am Erhalt der Kulturlandschaft Interesse haben sowie die Förderung des Naturschutzbewusstseins und des Verbraucherbewusstseins bei der Bevölkerung, sind weitere Schwerpunkte des Vereins. Dazu zählt auch das Angebot von Kursen, bei denen der Baumschnitt an jungen und alten Obstbäumen vermittelt wird.

Herr Schneider, was ist eine Streuobstwiese?

Wulf Schneider: Auf einer Streuobstwiese stehen Obstbäume „verstreut“ in der Landschaft. Es handelt sich meistens um große, hochstämmige Bäume. Viele von ihnen sind schon einige Jahrzehnte alt. Sie tragen aber immer noch leckere Früchte. Typisches Streuobst in Hessen sind vor allem Äpfel, aber auch Birnen, Zwetschgen, Pflaumen, Mirabellen, Quitten, Kirschen, Nüsse, Speierling, Mispel und Elsbeere. In Streuobstwiesen findet man auch sehr alte Obstsorten, die es im Supermarkt nicht gibt. Die Streuobstwiese ist eine Form des Obstbaus. Im Gegensatz zu einer Obstplantage mit kleinen, niederwüchsigen Bäumen nutzt man in einer Streuobstwiese nicht nur die Bäume, sondern auch die Wiese oder den Acker darunter. So weiden auf dem Grünland beispielsweise Kühe, Schafe oder Pferde. Ganz wichtig: Die Bäume werden nicht mit Dünger oder Pflanzenschutzmitteln behandelt. Das Obst wächst ganz natürlich.

Wer sind die Eigentümer von Streuobstwiesen?

Wulf Schneider: Die meisten Streuobstwiesen gehören privaten Personen. Manche Streuobstwiesen sind auch im Besitz von Gemeinden oder Städten.

Was machen die Eigentümer mit dem Obst?

Wulf Schneider
Wulf Schneider bei einer Apfelweinprobe. ©Alexander Stahr

Wulf Schneider: Die Eigentümer verwenden das meiste Obst als Kelterobst. Das heißt, sie machen daraus Saft und Apfelwein. Bei Äpfeln geht das so: Zunächst schütteln die Besitzer die Apfelbäume, so dass die reifen Äpfel herunterfallen. Dann sammeln sie das Obst auf und bringen es zur Kelterei. Hier werden die Äpfel zu Saft gepresst. Der Saft wird kurz erhitzt, damit er länger haltbar ist, und in Flaschen abgefüllt. Manche Besitzer haben auch eine eigene Saftpresse und pressen die Äpfel selbst. Ein Teil des frisch gepressten Apfelsaftes wird zu Apfelwein gekeltert.

Warum gibt es heute weniger Streuobstwiesen als vor 100 Jahren?

Wulf Schneider: Früher dienten Streuobstwiesen dazu, dass die Menschen das ganze Jahr über Obst essen konnten. Sie lagerten es im kühlen Keller oder verarbeiteten es zu Kompott, Marmelade, Wein und anderen haltbaren Lebensmitteln. Im Laufe der Jahrzehnte verschwanden viele Streuobstwiesen, da hier Häuser und Straßen gebaut wurden. Andere Flächen nutzen die Landwirte als Acker. Hinzu kommt, dass heutzutage viele Eigentümer kein Interesse mehr an ihrer Streuobstwiese haben. Sie macht ihnen zu viel Arbeit. Schließlich können sie das ganze Jahr über frisches Obst, Saft, Wein und andere fruchtige Delikatessen im Supermarkt kaufen.

Vereine, Gemeinden und Naturschützer setzen sich dafür ein, dass Streuobstwiesen erhalten bleiben. Warum?

Wulf Schneider: Streuobstwiesen gehören zum typischen Landschaftsbild im Taunus und vielerorts in Hessen. Sie sind ein wahres Kulturgut. Außerdem gibt es hier noch viele alte und regionale Obstsorten, die wir möglichst erhalten möchten. Zum Beispiel gibt es den Matapfel noch im Taunus, sonst ist er verschwunden. Streuobstwiesen bieten zudem mehr als 5.000 Tier- und Pflanzenarten einen wichtigen Lebensraum. Hier tummeln sich vor allem Insekten und viele Vogelarten. Der Steinkauz und der Grünspecht fühlen sich auf einer Streuobstwiese besonders wohl, da sie Baumhöhlen und altes Gehölz vorfinden. Auch den Menschen tun die Streuobstwiesen etwas Gutes: Sie liefern ihnen schmackhaftes und gesundes Obst. Und wenn die Eigentümer Obst, Saft und Wein verkaufen, ist das auch eine Einnahmequelle.

Wie können Vereine, Gemeinden und Naturschützer Streuobstwiesen erhalten?

Wulf Schneider: Mit unseren Aktionen machen wir den Menschen deutlich, wie wichtig die Streuobstwiesen für die Bewohner, Tiere und Pflanzen in unserer Region sind. Unser Verein pflanzt zum Beispiel neue Bäume. Wir kümmern uns auch um die Baumpflege und die Ernte. Außerdem zeigen wir interessierten Leuten, wie die Streuobstbäume richtig geschnitten werden und wie man Apfelwein herstellt.

Die Streuobstroute Nassauer Land lädt zum Wandern und Radfahren ein und führt auf markierten Wegen an zahlreichen Streuobstwiesen vorbei. Schautafeln informieren über die Besonderheiten der Streuobstwiesen. Ansonsten organisieren wir Feste rund um den Apfel, beraten Gemeinden bei der Anlage von so genannten Geburtstags- oder Hochzeitswiesen und Schulprojekten. All das kommt bei den Menschen sehr gut an, so dass regionales Obst wieder sehr gefragt ist. In manchen Gemeinden ist es üblich, dass für jeden Streuobstbaum, der verschwindet, an einer anderen Stelle ein neuer gepflanzt werden muss. So bleibt die Anzahl der Bäume erhalten. Die Regierung in Hessen hat übrigens das aushauen von Streuobstbäumen verboten. Wer das macht wird bestraft.

Was kann jeder tun, damit nicht mehr Streuobstwiesen verschwinden?

Wulf Schneider: Die Menschen sollten möglichst Obst, Saft, Apfelwein und andere Obsterzeugnisse kaufen, die aus ihrer Region stammen. Wenn sie das tun, sind die Eigentümer von Streuobstwiesen motiviert, sich weiter um ihre Streuobstwiesen zu kümmern.

Weitere Informationen:

Apfelundwein-Oberjosbach
Manufaktur
Wulf Schneider
Bohnheck 5
65527 Niedernhausen
Tel.: +49 (0)6127-967466, Fax: +49 (0)6127-967465, E-Mail: info@apfelundwein.de, Internet: www.apfelundwein.de

Streuobstroute im Nassauer Land e. V.
Zwergweg 41
65191 Wiesbaden
E-Mail: streuobstroute@web.de
Internet: www.streuobstroute-nassauer-land.de